Vortrag Dr. Horst Sattler : Adipositas – Neue Aspekte – 12.01.2026
Unser Club Mitglied Horst Sattler ist ein beliebter Vortragsredner auf unseren Clubabenden und bekannt für sein breites Spezialwissen in vielen Sach- und Fachgebieten. Zum heutigen Abend brachte er uns neue Aspekte aus einem medizinischen Sonderthema mit.
Zu Beginn wurde Adipositas definiert als Body-Mass-Index größer als 30 (siehe auch Tabelle nach WHO).
| Untergewicht | < 18,5 | |
| Normalgewicht | 18,5 – 24,9 | |
| Übergewicht (Präadipositas) | 25,0 – 29,9 | |
| Adipositas (Fettleibigkeit) Grad I | 30,0 – 34,9 | |
| Adipositas Grad II: | 35,0 – 39,9 | |
| Adipositas Grad III (schwere Adipositas) | ≥ 40 |
Mehr als 20% der Bevölkerung in Deutschland sind adipös, mehr als 50% übergewichtig (Verdopplung in ungefähr 10 Jahren), bei Kindern und Jugendlichen sind bereits 25% übergewichtig. Die Kosten daraus für das Gesundheitssystem beliefen sich bereits 2016 auf über 63 Milliarden €.
War es in der Steinzeit ein Überlebensvorteil, Fett anzulegen, entwickelte es sich in der Gegenwart unter völlig veränderten Lebensumständen mit geringerer Bewegung und allgegenwärtigen Essensvorräten und Versuchungen als Gefahr, die bei vielen Menschen zu einem schwer zu durchbrechenden Teufelskreis führt und schließlich weitere Krankheiten und soziale Probleme nach sich zieht. Es wird betont, dass Adipositas nicht nur durch erhöhte Kalorienzufuhr entsteht, sondern auch durch eine Störung der zentralen Steuerung im Körper. Sie wird deshalb bereits seit Jahren als chronische Krankheit anerkannt.
Darüber hinaus herrschen in der Gesellschaft Bedingungen, die Übergewicht eher fördern als bekämpfen: die Macht der Werbung und Industrie-Lobby, Unkenntnis über gesunde Ernährung in bildungsschwachen Schichten sowie fehlende politische Maßnahmen wie Zuckersteuer, Werbeverbot oder verpflichtende „Lebensmittel-Ampel“.
Als große Hoffnung gelten die verschiedenen Wirkstoffe der „Abnehmspritzen“, die seit 2023 auch in Deutschland zugelassen sind (Wirkstoffe Semaglutid, Tirzepatid, Liraglutid). Die Wirkungsweise besteht darin, dass Darmhormone nachgeahmt werden, um das Hungergefühl zu reduzieren, das Sättigungsgefühl zu erhöhen und die Magenentleerung zu verlangsamen. Diese Methode scheint vielen Betroffenen als einfachster Weg aus dem Teufelskreis. Dabei darf nicht vergessen werden, das Spritzen auch nur langfristig zum Erfolg führen, wenn eine gründliche Lebensstiländerung aller Parameter (Ernährung, Bewegung, Schlaf, Medienkonsum etc) eingeschlossen ist. Außerdem gibt es noch nicht genügend Daten, um den Einfluss von Abnehmspritzen auf den gesamten Organismus zu beurteilen. Weiterhin ist noch nicht geklärt, wie man eine solche Behandlung wieder absetzen kann.
Trotzdem ist die Verschreibung in Einzelfällen gerechtfertigt, sogar auch bei Kindern (!), wenn man bedenkt, dass Adipositas langfristig unweigerlich zu Folgekrankheiten wie z. B. Diabetes, Herzkreislaufproblemen oder Arthrose führt.
Die extremste Maßnahme gegen Adipositas stellt die bariatrische Chirurgie dar, bei der ein Magen-Bypass bzw ein Schlauchmagen operativ gebildet werden. Dies wird nur bei ganz schwerwiegenden Fällen angewendet und bedarf auch einer strengen Nachfolgetherapie, kann aber bis 30% Reduktion bewirken (Spritze nur bis 10%).
Fazit:
- Adipositas entsteht nicht, weil Betroffene zu viel essen – Betroffene essen zu viel, weil sie an Adipositas erkrankt sind
- Es handelt sich nicht nur um ein medizinisches Problem, sondern ist ein Thema, das auch gesellschaftlich und politisch angegangen werden sollte
Wir danken Dr. Horst Sattler für diesen informativen und inspirierenden Vortragsabend.
Text: Dr. Christiane Mackenroth





