Vortrag: Monika und Dr. Philipp Eisenbarth: 1000 Jahre Dürkheimer Bibliotheksgeschichte – 13.04.2026
Der Club Präsident begrüßt die Referenten des Abends: Monika Eisenbarth, die Leiterin der Schlarb-Bibliothek und Dr. Philipp Eisenbarth, der in der Pollichia aktiv ist und schon früher bei Kiwanis vorgetragen hat. Sowohl die Bibliothek als auch die Ortsgruppe Pollichia sind Teil der Bad Dürkheimer Museumsgesellschaft e.V., deren Vorsitzender Boris Clausen (Nachfolger von Dr. Michael Ochse, der 2023 die Pollichia in einem Vortrag vorgestellt hat) ebenfalls anwesend ist.
- Monika und Dr. Philipp Eisenbarth: 1000 Jahre Dürkheimer Bibliotheksgeschichte
Anknüpfend an das Jubiläum des Klosters Limburg, kann die Geschichte der Dürkheimer Bibliotheken ebenfalls auf stolze 1000 Jahre zurückblicken, denn es gab dort bereits eine Klosterbibliothek, deren kostbarstes Stück ein in Gold und Elfenbein gebundenes Evangelienbuch war, das sog. Limburger Evangeliar. Es ist auf wundersame Weise erhalten geblieben, und wird heute in der Kölner Dombibliothek aufbewahrt. Weiterhin gab es die Gottschalk Sequenzen (hymnenartige Messgesänge des Mönchs Gottschalk), einen Evangelien-Codex und die sogenannte „Limburger Rotel“, eine Urkundenrolle, die die Rechte der Abtei beinhaltet und heute in Amorbach aufbewahrt wird.
Die Klosterbibliothek bestand bis 1504, als die Limburg niederbrannte. Man nimmt an, dass wesentliche Teile der Limburg-Bibliothek nach Heidelberg in die Bibliotheca Palatina verbracht wurden. Ansonsten ist wenig erhalten bzw. sicher der Limburg zuzuordnen.
Weitere Bibliotheken in Dürkheim:
- Auch im Kloster der Benediktinerinnen in Seebach gab es eine Bibliothek.
- Eine wertvolle Bibliothek besaß auch Valentin Ostertag, der durch seine Sozialstiftung in Bad Dürkheim auch heute noch eine bedeutende Rolle spielt. Um ca. 1450 in Dürkheim geboren und war er nach zahlreichen hohen Ämtern als Jurist zuletzt für die Reichstadt Nürnberg tätig, wo er 1507 starb. Seine Bibliothek vermachte er seiner Heimatstadt. Dürkheimer Studenten sollten sie nutzen dürfen. Über den Verbleib der Bücher ist aber leider nichts bekannt.
- Die Leininger Fürsten besaßen eine Schlossbibliothek, die zum Teil nach Amorbach gerettet werden konnte. Der Rest ging durch den Brand des Schlosses 1794 zu Grunde.
- Im 19. Jahrhundert gibt es Hinweise auf erste Schulbibliotheken, z.B. bei der Bärmann‘schen Realschule, später Progymnasium bezeichnet. Dieses ist 1970 im neu gebauten Werner-Heisenberg-Gymnasium aufgegangen.
- Im 19. Jahrhundert bis 1933 gab es im „Kanton Dürkheim“ (ab 1903 Bezirk Dürkheim) eine öffentliche „Kantonsbibliothek“. Nach 1933 flossen Reste dieser Bibliothek in die von Heinrich Buchert verwaltete „Volksbücherei“, die 1938 eröffnet und bis 1945 betrieben wurde.
- Erst 1965/66 wurde auf Anregung von Ernst Zink in Bad Dürkheim wieder eine öffentliche Stadtbücherei eingerichtet, die am Anfang im Domicilia-Hochhaus am Bahnhof untergebracht war. Heute findet man diese mit vielen tausend Büchern im Haus Catoir.
- Parallel zu den genannten Bibliotheken wurden im 19. Jahrhundert, bedingt durch ein wachsendes Interesse an Informationen über Weltgeschehen, fremde Länder und Wissenschaften sog. Lesegesellschaften gegründet, in denen Bücher und Zeitschriften im Umlauf an interessierte Bürger weitergegeben wurden. In Dürkheim erfolgte dies schon recht früh 1808. Vermutlich aus politischen Gründen wurde die Dürkheimer Lesegesellschaft 1937 aufgelöst und der Buchbestand von ca. 3500 Büchern an den Bad Dürkheimer Altertumsverein übergeben. 1949 erfolgte der Zusammenschluss des Dürkheimer Altertumsvereins mit der POLLICHIA Ortsgruppe Bad Dürkheim zur neu gegründeten Museumsgesellschaft Bad Dürkheim e.V., die 2024 75 Jahre alt wurde. Damit fusionierte auch der Buchbestand des Altertumsvereins mit vorhandenem naturkundlichem Literaturbestand der POLLICHIA. Ursprünglich im „Graf’schen Haus“ in der Eichstraße untergebracht mussten die Bücher wegen des schlechten Zustands des Gebäudes umziehen und wurden aufgeteilt auf das Pfalzmuseum für Naturkunde und das ehemalige Schulgebäude in der Kurbrunnenstraße, heute JuKiB.
1990 vermietete die Stadt einige Räume im Dachgeschoß an die Museumsgesellschaft zur Unterbringung ihrer Bibliothek. Die rund 4000 Bücher wurden neu auf Karteikarten inventarisiert, katalogisiert und in Regalen geordnet. Die Finanzierung der Regale erfolgte aus Mitteln der „Emil- und Martha-Schlarb-Stiftung“. Das kinderlose Ehepaar hatte sein gesamtes Vermögen in eine Stiftung für soziale und kulturelle Zwecke eingebracht. Als Dank und zur Erinnerung an die Stifterfamilie nannte die Museumsgesellschaft Bad Dürkheim ihre Bibliothek von da an „Schlarb-Bibliothek“. Inzwischen ist der Buchbestand heute auf über 10.000 Medien angewachsen, davon sind fast 700 Bücher aus dem 21. Jahrhundert. Als reine Fachbibliothek verfügt die Schlarb-Bibliothek über eine recht breite Palette von Sachgebieten und enthält nicht nur Bücher, sondern auch historische Fotos, Landkarten, Zeitungen und Digitalisate.
Einge bibliophile Kostbarkeiten
- „Die Jüdischen Alterthümer und Geschichte des jüdischen Krieges“ von Flavius Josephus von 1544 ist das älteste Buch.
- Die „Historische Bilder-Bibel“ von Johann Ulrich Krauss aus dem Jahre 1700
- Der Mondatlas vom Dürkheimer Philipp Fauth (*1867 – +1941)
- Das Kochbuch von Anna Bergner, bekannt als die „Schöne Anna“
u.v.m,
Am meisten gesucht werden Wurstmarktfestschriften, die ehem. Dürkheimer Tageszeitung „Dürkheimer Beobachter“ aus den Jahren 1894 bis 1925, das Pfälzische Burgenlexikon von 1999-2007 und das Pfälzische Klosterlexikon von 2014-2019, Literatur über die Geschichte von Bad Dürkheim, Ortchroniken, Auswanderungsgeschichte u.v.m.
Wichtig ist, dass die Schlarb-Bibliothek eine reine Präsenzbibliothek ist, das heißt, eine Ausleihe ist leider nicht möglich, aber Buchseiten können kopiert oder abfotografiert werden. Zurzeit ist ein Besuch der Bibliothek nach vorheriger Terminvereinbarung z.B. per Mail möglich.
Text: Dr. Christiane Mackenroth
- Das Referenten Ehepaar
- Die gebannte …
- Hörerschaft
- Herzlichen Dank!






